the.hippos.yawn

Ich und die anderen
 

Letztes Feedback

Meta





 

Von Märchenerzählern und Automechanikern

Ich merke gerade, dass ich eben den „Fehler“ begehe, über den ich mir unentwegt Gedanken mache. Ich denke nach. Nun gut, gegen das Nachdenken an sich ist bestimmt nichts zu sagen, manchen Menschen kann man auch ans Herz legen, hin und wieder Gebrauch von ihrem Oberstübchen zu  machen, aber in einigen Situationen ist zu viel Nachdenken sogar kontraproduktiv.

Wie sicher jeder, der sich einmal auf diesen Blog verirrt hat gemerkt hat, schreibe ich höchst (!) unregelmäßig. Mit Abständen, die Monate betragen. Das finde ich irgendwie sehr traurig.

Gerne würde ich mich weiter – und vor allem häufiger – anderen mitteilen, mich auf das Feedback  derer freuen und froh sein, wenn es jemandem gefällt, was ich geschrieben habe.

Mein Problem ist recht simpel: Ich denke zu viel.

Krampfhaft versuche ich die Gedankenzipfel, die in meinem Kopf herumschwirren zu fassen, sie an mein Bewusstsein zu ziehen – und kriege davon nichts als Kopfschmerzen. Mit dem Resultat, dass der Gedanke entwischt wie ein glitschiger Fisch.

Einige meiner (wie andere Leute sagen und ich mit aller Bescheidenheit auch) besten Einträge oder sonstigen geschrieben Gedankenskizzen kamen quasi aus dem Nichts.

Nicht denken.

Dran setzen

Fühlen

Erleben

Schreiben

 

Schreiben.

Eines der für mich natürlichsten Dinge der Welt und das, seit ich denken kann (bzw. seit ich im zarten Alter von 6 Jahren das Schreiben lernte).

Da setzte man sich noch mit Block und Stift an den Tisch und schrieb eine kleine Geschichte. Vielleicht eine halbe Seite in schönster Grundschul-Schnörkel-Krakel-Schrift. Und dann malte man noch ein Bild dazu. Mit Wachsmalkreide zum Beispiel.

Dann in der weiterführenden Schule.

Geschichten schreiben.

Gruselgeschichten, Märchengeschichten, Liebesgeschichten – das volle Programm!

Heraus kamen die fantasievollsten und liebenswürdigsten Kindergeschichten, die von den Großeltern immer so bestaunt wurden und die man Mama zu Muttertag schenkte.

Doch je älter man wurde, desto planmäßiger verlief das Ganze.

Erst einmal musste man den Schock verarbeiten, dass eine Kurzgeschichte nicht so heißt, weil sie kurz ist, sondern weil sie durch einige Merkmale ausgezeichnet ist.

Auf einmal setzte man sich nicht mit Block und Stift an den Tisch und schrieb eine kurze Geschichte. Man schrieb überhaupt nicht mehr. Man analysierte.

 Laut wikipedia.de ist eineAnalyse eine systematische Untersuchung, bei der das untersuchte Objekt oder Subjekt in seine Bestandteile zerlegt wird und diese anschließend geordnet, untersucht und ausgewertet werden. Dabei dürfen die Vernetzung der einzelnen Elemente und deren Integration nicht außer Acht gelassen werden.“

Und das setzt man dem passionierten Schreiberling vor, der es Zeit seines Lebens geliebt hat, sich Charaktere auszudenken, ihnen Leben einzuhauchen und Welten für sie zu erschaffen.

Das Schreiben war ein Spiel, wie andere Kinder mit ihren Spielfiguren spielten, spielte man mit der Sprache. Und nun zerlegte „man das untersuchte Objekt in seine Einzelteile“.

Das klang eher so, als wolle man ein Auto ausschlachten und nicht mit der Sprache spielen.

 

Aber man analysierte brav weiter. Alles was man so in die Finger bekam: Kurzgeschichten, Gedichte (sehr viele Gedichte), Prosatexte…

Und wenn man fein analysiert hatte, dann interpretierte man.

Wobei ich mich immer gefragt habe, wo der Freiraum zur eigenen Interpretation lag (solang man es „am Text belegen“ konnte). Wenn es dem Lehrer nicht gefallen hat, kam trotzdem ein „ausreichend“ drunter.

 

Im Laufe der Zeit wurde das Denken des Kindes, das einfach nur mit der Sprache spielen wollte immer analytischer.  

Und aus Protest oder aus Trauer – ich weiß es nicht – hat sich die Fantasie irgendwann in die hinterste Ecke verkrochen. Ab und an versucht sie noch, einige Gedanken in den Raum zu schicken, doch die werden ganz schnell von der Intention des Autors und vom fünfhebigen Jambus weggeschubst. 

 

Neulich gab ich im Rahmen einer Kinderaktion einen Kurs für kreatives Schreiben, meine „Schreibwerkstatt“. Mit Sechstklässlern.

Ich saß mit den Kindern an einem Tisch, wir hatten Blöcke und Stifte.

Da fragte ich: „Wenn ihr eine Geschichte schreiben wollt, wie fangt ihr an? Macht ihr euch einen Plan oder…“

 

-         es unterbricht mich ein kleines Mädchen:

 

„Also ich schreib immer drauflos. Einfach drauflos.“

 

 Der Autor

10.9.09 14:38

Werbung


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


tom (23.9.09 23:41)
Der Autor vertritt bei dieser "Dissertation" über analytische
Textinterpretation scheinbar eine eher negative Haltung. Die infantile Auffassung vieler Dinge unterscheidet sich häufig von den eigentlichen, der Welt vordefinierten, Begebenheiten.. S. Freud nennt als erste Kränkung des Kindes die Differenzierung zwischen männlich und weiblich, gleichwohl ihrer tatsächlichen Natürlichkeit.
Der Wille seinen Geist dem Denken zu entsagen würde Kant schon als Bitte nach Freitod richten ^^
Zu viel Denken ist keinesfalls kontraproduktiv, Kreisdenken hingegen schon. Beispielsweise das Lösen einer Gleichung f(x)=1/x+f(x/2) oder das eines Dilemmas. Wohingegen das Dilemma sich der Hoffnung bedient, durch externe Einflüsse gelöst zu werden.
Viel Erfolg bei Ihrer Schreibarbeit, vielleicht sieht man hier mal wieder eines Ihrer Gedichte. Das Mathematische gefiel mir außerordentlich, ebenso meiner Freundin, als ich es ihr zeigte (Sie studiert Mathematik auf Lehramt).

Freundlicher Gruß,
Tom


tüdelü (6.10.09 17:37)
Zu viel Denken ist ein Fehler.. tut man eine Gabel zusammen mit einem Hamster in die Mikrowelle, ist das ebenfalls ein Fehler.
Ein Fehler kann auch ganz simpel ein Wackerstein in einem Ententeich sein, oder, wider Vermuten, ein Rettungsring in einem Uboot. Man kann generell nicht verallgemeinern dass der gemeine Pudel nicht in jeder Hinsicht, und das ohne Zweifel, Fehler in einem Kartoffelbeet finden soll. Das ist einfach zu schwer für ihn!

Ich habe in meinen Unterlagen von der FA-WRD unsere Notizen gefunden.. wo der Anstubser uns gegenüber saß. Wir haben 4 DinA4 Seiten doppelseitig vollgeschrieben. Ich musste oft lächeln als ich es mir durchgelesen habe, ein seltsames Gefühl. Da fiel mir auf, dass ich bereits dort so in dich verschossen war :')
Fehler, Fragezeichen?
[rex naturalis]


tom (15.11.09 12:51)
Okay, merkwürdiger Eintrag. Aber die Person hat in gewisser Weise Recht, als dass sie die Frage nach der Definition eines Fehlers aufwirft. Man könnte ihn als eine Aktion mit minimaler effektiver Glücksausbeute beschreiben.

Scheinbar kennen sich der Verfasser des Posts und der Autor ziemlich gut. Es stimmt schon, Liebe ist ein merkwürdiges Gefühl, aber meiner Meinung nach ist sie nie ein Fehler. Ein Mensch gewichtet nur die negativen Aspekte meist schwerer und übergeht unbewusst diejenigen, die ihm zu Gute kommen. So entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Gefühlsebene und Bewusstsein. Geht man mit der richtigen Einstellung an die Sache heran, wird es sich nicht nach einem Fehler anfühlen.

Den Bezug auf das rex naturalis verstehe ich nicht. Das Recht (rex) der Natur gibt nicht vor, wie man zu handeln hat, sondern wie man handeln darf. Das Gesetz (lux) bestimmt wo die Grenzen sind.

Viel Erfolg wünsche ich dem "Verschossenen" dennoch,
Tom


(21.4.10 23:39)
hääääää was hatn das mit automeschanikern zu tun??

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen